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Pressemitteilung
Nürnberger Steuergespräche e.V. vergibt Förderpreise für Dissertationen

September 2000

Der Zweck der Nürnberger Steuergespräche e.V. besteht darin, den wissenschaftlichen Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Praxis auf den Gebieten des Steuerrechts, der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre sowie des Prüfungswesens zu fördern. Darüber hinaus werden Förderpreise für den wissenschaftlichen Nachwuchs vergeben.

Der bundesweit ausgeschriebene Förderpreis der Nürnberger Steuergespräche e.V. wurde am 14. September 2000 im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der "DATEV 2000" von Prof. Dr. Wolfram Scheffler (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Vertreter des wissenschaftlichen Beirats) zusammen mit dem Vorsitzenden des Vorstands der DATEV eG, Herrn Dieter Kempf zum ersten Mal vergeben. Die ersten drei Preisträger sind Herr Dr. Raimar Pinkernell, Herr Privatdozent Dr. Gerhard Satzger und Frau Dr. Andrea Weierich.

Herr Dr. Reimar Pinkernell, LL.M. (Universität zu Köln) erhält den Förderpreis der Nürnberger Steuergespräche e.V. für seine Dissertation "Einkünftezurechnung bei Personengesellschaften". Die Dissertation wurde von Herrn Prof. Dr. Joachim Lang betreut.

Die Besteuerung von Personengesellschaften steht im Spannungsfeld zwischen der zivilrechtlich weitgehend verselbständigten "Handlungs- und Wirkungseinheit" Personengesellschaft und der persönlichen Einkommensteuerpflicht der einzelnen Gesellschafter. Herr Dr. Pinkernell sucht die Lösung darin, daß er seinen dogmatischen Bezugspunkt in der Steuersubjekteigenschaft der Gesellschafter sucht. Dies bedeutet, daß eine Personengesellschaft steuerrechtlich nicht verselbständigt sein kann, vielmehr sind die Einkünfte den Gesellschaftern als eigene Einkünfte zuzurechnen. Für die Ermittlung der Einkünfte der Gesellschafter kommt der Personengesellschaft nur eine interimistische Rolle zu. Herr Dr. Pinkernell hat seinen methodischen Ausgangspunkt nicht nur formuliert, sondern auf konkrete Einzelfälle angewendet. Das Konzept des Transparenzprinzips wird von Herrn Dr. Pinkernell klar und didaktisch hervorragend vermittelt. Die langjährige Beschäftigung mit dem internationalen Steuerrecht (insbesondere den US-amerikanischen partnerships) haben die Dissertation wissenschaftlich befruchtet. Der Zweitgutachter, Prof. Dr. Klaus Tipke, beurteilte die Arbeit von Herrn Dr. Pinkernell als eine der besten juristischen Dissertationen, die er je gelesen hat.

Herr PD Dr. Gerhard Satzger (Universität Augsburg) erhält den Förderpreis der Nürnberger Steuergespräche e.V. für seine Habilitationsschrift "Kapitalintensive Leistungen im globalen Wettbewerb, eine finanzwirtschaftliche und steuerliche Analyse zur Gestaltung internationaler Leistungsangebote". Die Habilitation wurde von Herrn Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl betreut.

Die Arbeit von Herrn PD Dr. Satzger geht von den Entwicklungen der Informations- und Kommunikationstechnologie aus, die zu einer zunehmenden Gestaltung grenzüberschreitender Wertschöpfungsnetzwerke führen. In diesem Zusammenhang ist auch die Nutzung von steuerlichen Rahmenbedingungen von erheblicher Bedeutung. Der methodische Ansatz der Habilitationsschrift von Herrn PD Dr. Satzger zeichnet sich durch drei Komponenten aus. (1) Im Gegensatz zu zahlreichen kasuistischen Arbeiten werden die für grenzüberschreitende Transaktionen relevanten steuerlichen Regelungen in systematischer Form erfaßt. (2) Durch einen Koalitionsansatz werden die steuerlichen Bedingungen der beiden Vertragspartner gemeinsam betrachtet. (3) Die quantitative Betrachtung erlaubt es, die Ergebnisse unmittelbar praktisch zu verwerten. Ingesamt betrachtet, handelt es sich bei der Habilitationsschrift von Herrn PD Dr. Satzger um eine fundierte, qualitativ hochwertige Arbeit mit einer übergreifenden Thematik, deren Ergebnisse zu einer Bereicherung des dem Steuerberater zur Verfügung stehenden EDV-Instrumentariums führen sollte.

Frau Dr. Andrea Weierich, geb. Engelhardt (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) erhält den Förderpreis der Nürnberger Steuergespräche e.V. für ihre Dissertation "Branchensoftware für kleinere Unternehmen - Ein Beitrag zur standardisierten Integration betriebswirtschaftlicher Komponenten". Die Dissertation wurde von Herrn Prof. Dr. Dr.h.c. mult. Peter Mertens betreut.

Frau Dr. Weierich stellt in ihrer Dissertation unter dem Begriff "Branchensoftware" einen Vorschlag vor, wie die Vorteile von kostengünstiger Standardsoftware und von speziell für das jeweilige Unternehmen entwickelter Software (Individualsoftware) miteinander kombiniert werden können. Bei den Analysen stehen zum einen die unternehmerischen Interessen der Hersteller und zum anderen mittelständische Unternehmen im Mittelpunkt. Frau Dr. Weierich hat mit großer Kreativität einen neuen Lösungsvorschlag unterbreitet und diesen in praktisch anwendbarer Form umgesetzt. Die Dissertation gehört zu den wenigen Beispielen, bei denen etwas Spezifisches für Kleinbetriebe geschaffen wurde. Zusätzlich gelang es Frau Dr. Weierich sehr interessante Bezüge zu einer neuen Institutenlehre der Softwarebranche herzustellen. Auch international ist die Dissertation bereits gewürdigt worden. Frau Dr. Weierich erhielt den "Best Award" auf der 8. Australischen Konferenz für Informationssysteme. Die Dissertation ist im Rahmen eines Forschungsprojekts der DATEV eG entstanden. Die Dissertation von Frau Dr. Weierich ist nach Ansicht des wissenschaftlichen Beirats der Nürnberger Steuergespräche e.V. als ein äußerst gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft anzusehen.

Die Arbeiten sind in der wissenschaftlichen Schriftenreihe "Steuerberatung und Informationsverarbeitung" erschienen. Diese Schriftenreihe wird von den Nürnberger Steuergespräche e.V. herausgegeben. Sie wird über die DATEV eG, edition Steuern & Recht, 90329 Nürnberg vertrieben.